Donnerstag, 25. Februar 2010

"Setzen Sie die App Ihrer Mutter vor!"

Print und Handy sind sich ähnlich, sagt Rana Sobhany. Im Interview gibt die US-Buchautorin und Marketing-Expertin ("Marketing iPhone Apps", O´Reilly) Tipps zu Pricing, Präsentation und Testing von Handyprogrammen.

Sie sagen, Handys und Bücher haben viel gemeinsam. Warum?
Rana Sobhany: Genau wie Bücher sind Handyinhalte einfach und ortsunabhängig konsumierbar. Wenn ich auf dem Handy einen Text öffne, dauert das nicht viel länger, als ein Buch aufzuklappen. Man hat das Handy immer dabei, Besitzer haben zu ihrem iPhone eine ähnlich emotionale Beziehung wie zu einem guten Buch. Bei einem Laptop oder Computer ist das anders, viel umständlicher und distanzierter. Deshalb glaube ich, dass das Handy für Verleger ein sehr nahe liegendes Medium ist.

Für welche Inhalte zahlen Nutzer?
"Unser Verlag hat jetzt auch eine App" – das allein reicht längst nicht mehr. Die Applikation muss einen eindeutigen Mehrwert zum Buch bieten, wie etwa Videos, Spiele, Hintergrund-Informationen oder Autorenfeatures. Wenn die Nutzer eine Applikation zu schätzen wissen, zahlen sie auch gerne einen angemessenen Preis dafür.

Und was ist ein angemessener Preis?
Das Pricing sollte sich an die Usergewohnheiten auf der Plattform orientieren. Im App-Store bei iTunes ist 4,99 Dollar eine Zielgröße.

4,99 Dollar für ein Buch mit Mehrwert, das als Print-Ausgabe vielleicht das Doppelte kostet?
Verlage sollten den Preis verlangen, den sie für richtig halten. Und im Zweifelsfall hilft einfach Ausprobieren: Man kann einen erfolgreichen Titel für seinen Wunschpreis anbieten und sehen, was passiert.

Auf was sollten Verlage bei der Präsentation ihrer Apps achten?
Am wichtigsten ist das Design. Die Vorschaubilder sollten den Wert der Applikation deutlich herausstellen. Außerdem muss der Beschreibungstext überzeugen. Die Konkurrenz im iTunes App-Store ist riesig, es gibt mehr als 150 000 Applikationen. Man muss schon herausstechen und Qualität liefern, um nicht unter zu gehen. Wichtig: Planen Sie genügend Zeit fürs Testing ein. Am besten befragen Sie Leute, sich nicht oder nur wenig mit Applikationen und Ihrem Themengebiet auskennen. Setzen Sie die App Ihrer Mutter vor!

In Ihrer Präsentation auf der TOC geben sie 20.000-100.000 Dollar an, die ein Verlag in die Entwicklung einer App inverstieren sollte. Ist das nicht etwas hoch gegriffen?
Damit meine ich nicht die Entwicklung einer einzelnen Applikation, sondern die Entwicklung eines Frameworks, mit dem dann viele Applikationen generiert werden können. Klar, es geht auch billiger, beispielsweise mit fertigen Templates. Ich würde von solchen Templates jedoch abraten. Der Nutzer merkt, dass man schummelt.

Was ist bei der Auswahl einer Agentur wichtig?
Versichern Sie sich, dass die Agentur schon einmal mit Verlagen oder zumindest mit Textinhalten gearbeitet hat. Der Umgang mit Texten im mobilen Netz stellt besondere Anforderungen. Suchmöglichkeiten und die Textplatzierung und -portionierung sind immens wichtig und müssen von der Agentur beherrscht werden.

Wie lässt sich der Erfolg von Apps messen?
Die Auswahl an Analysetools ist groß, ein Beispiel ist Google Analytics Mobile. Der Programmierer integriert einen bestimmten Zählcode in den Quellcode der mobilen Seite. Es wäre einer der größten Fehler, auf eine Statistik-Software zu verzichten. Nur wer misst, kann seine Apps auch erfolgreich managen.

Welche Verlagsapplikation gefällt Ihnen besonders?
Die Iceberg-Plattform von Scroll Motion, eine sehr gute Book Reader App. (Anmerkung: Derzeit nicht im deutschen iTunes-Store erhältlich).

Rana Sobhany ist Autorin des Buchs „Marketing iPhone Apps“ (O´Reilly), das im März erscheint. Bei der Konferenz Tools of Change for Publishing (22.-24.Februar in New York) hielt sie einen Workshop zum Thema "Selling in Mobile Markets". Die Präsentation zum Workshop kann kostenlos heruntergeladen werden.

Quelle: boersenblatt.net

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